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Förderkategorien

Gefördert werden Projekte in den Kategorien:

Die Förderkriterien der einzelnen Kategorien stehen für Sie am Ende jeder Kategorie zum Download bereit.

Wertstoffrückgewinnung und –bereitstellung

Ziel der Förderung ist es, Phosphor, Stickstoff und andere Wertstoffe nicht ungenutzt mit dem Abwasser bzw. dem Klärschlamm oder den Klärschlammverbrennungsaschen zu entsorgen, sondern diese mittels technischer Verfahren zurückzugewinnen und als Sekundärrohstoffe dem Wirtschaftskreislauf erneut zuzuführen. Im Bereich Phosphor soll der Förderschwerpunkt die Umsetzung der novellierten Klärschlammverordnung von 2017 unterstützen. Gemäß dieser ist spätestens ab dem Jahr 2029 bzw. 2032 die Phosphorrückgewinnung sowohl für Kläranlagen als auch für Klärschlammverbrennungsaschen aus Anlagen zur thermischen Vorbehandlung von Klärschlämmen verpflichtend.

Im Ergebnis sind qualitativ und quantitativ verwendbare Produkte oder Ausgangsstoffe für Produkte bereit zu stellen. Die Marktfähigkeit der Produkte oder Ausgangsstoffe sowie eine absehbare Marktfähigkeit der Verfahren sind Voraussetzung für eine Förderung. Die technischen Verfahren sollten beispielsweise nicht so kostspielig sein, dass es für diese realistisch gesehen keinen Markt gibt (fehlender Multiplikationseffekt). Der Aspekt der Marktfähigkeit ist in den Antragsunterlagen zu erläutern.

Die Verfahren zur Wertstoffrückgewinnung können bei der Rückgewinnung abwasserseitig oder abfallseitig ansetzen. Dabei sind die aus den gesetzlichen Vorgaben abgeleiteten Förderkriterien einzuhalten, und die Technik sollte Umweltvorteile gegenüber der herkömmlichen Produktion aufweisen (z.B. verminderter Energiebedarf).

Für die Teilnahme am Förderschwerpunkt müssen die Antragsteller, neben den allgemeinen Anforderungen des Umweltinnovationsprogramms, folgende Kriterien erfüllen und die Erfüllung (ggf. Übererfüllung) in den Antragsunterlagen nachvollziehbar erläutern:

Verfahrensspezifische Förderkriterien:

Materialspezifische Förderkriterien:

Das aus dem Rückgewinnungsprozess hervorgehende Material (Produkt oder Ausgangsstoff für Produkte) muss die rechtlichen Voraussetzungen als Produkt oder als Ausgangsstoff erfüllen und qualitativ und technisch einsetzbar sein. Die Marktfähigkeit des Produkts oder Ausgangsstoffs sowie die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens müssen gewährleistet sein.

Ein als Düngemittel gewonnener Stoff bzw. gewonnenes Produkt muss mindestens folgende Kriterien erfüllen:

  • Schadstoffarm: es sind mindestens die gesetzlichen Kriterien einzuhalten und mittels Analysen nachzuweisen
  • Düngewirksamkeit: die Pflanzenverfügbarkeit/Düngewirksamkeit muss nachgewiesen sein
  • Gesetzliche Vorgaben: alle gesetzlichen Vorgaben sind nachweislich zu erfüllen und es muss bestätigt sein, dass der Stoff bzw. das Produkt als Düngemittel zugelassen und einsetzbar ist.

Weitere zu beachtende Förderkriterien:

  • Nutzung von Synergieeffekten in Bezug auf Energie und Wertstoffrückgewinnung
  • stoffliche Nutzung von Abfallstoffströmen aus dem Prozess
  • Höhe der Rückgewinnungsquote
  • Qualität des gewonnenen Stoffs bzw. des Produkts in Bezug auf Schadstoffgehalte und/oder Düngewirksamkeit

 

Weitergehende Abwasserbehandlung

Ziel der Förderung ist die Reduktion von Spurenstoffen im Ablauf von Kläranlagen oder an geeigneten Stellen der Abwasserinfrastruktur zur Verbesserung der Gewässergüte mittels innovativer Verfahren unter Berücksichtigung des Energie- und Ressourcenbedarfs. Bei der Auswahl der Verfahren ist auf ein möglichst breites Eliminationsspektrum Wert zu legen.

Förderkriterien:

Für die Teilnahme am Förderschwerpunkt müssen die Antragsteller, neben den allgemeinen Anforderungen des Umweltinnovationsprogramms, folgende Kriterien erfüllen und die Erfüllung (ggf. Übererfüllung) in den Antragsunterlagen nachvollziehbar erläutern:

  • Aufgrund der bereits vorhandenen großtechnischen Umsetzungen in diesem Bereich der Abwasserbehandlung, sei hier noch einmal auf den notwendigen Innovationscharakter und die Erstmaligkeit der Vorhaben hingewiesen. Dieser ist z.B. bei noch nicht großtechnisch umgesetzten Techniken oder sinnvollen Verfahrenskombinationen gegeben. Der innovative Charakter und die Erstmaligkeit in Deutschland müssen plausibel dargestellt werden. Dabei liegt der Fokus auf innovativen, großtechnischen Umsetzungen auf kommunalen Kläranlagen und deren Abwasserinfrastruktur zur Reduktion von Spurenstoffen, wobei Projekte aus dem gewerblichen bzw. industriellen Bereich nicht ausgeschlossen werden.
  • Die Eliminationsziele sind durch die Antragsteller darzustellen und plausibel zu erläutern. Die Darstellung hat die zu betrachtenden Spurenstoffe und die angestrebte Eliminationsrate in Prozent (bezogen auf die Differenz zwischen Zu- und Ablauf der Reinigungsstufe) zu enthalten. Die Relevanz (Vorkommen in Gewässer und Abwasser, Umweltrelevanz, etc.) der ausgewählten Stoffe muss im Antrag dargelegt werden. Das Verfahren sollte ein möglichst breites Eliminationsspektrum abdecken und zumindest Stoffe aus den verschiedenen relevanten Stoffgruppen (Humanarzneimittel, Biozide/Pestizide, Haushaltschemikalien/Personal Care, Röntgenkontrastmittel, Hormone, Antibiotika) erfassen, insofern diese im betroffenen Abwasser bzw. Gewässer vorkommen. Stoffe, die mit den bereits etablierten Verfahren nur schlecht reduziert werden können, sollen ausdrücklich berücksichtigt werden. Wird eine relevante Stoffgruppe nicht berücksichtigt, ist dies zu begründen. Eine Vergleichbarkeit mit publizierten Daten zu den bereits etablierten Verfahren muss gegeben sein. In Verbindung mit Oxidationsverfahren sind Transformationsprodukte unbedingt mit zu betrachten. Neben den auf die Reinigungsstufe bezogenen Eliminationsraten der Stoffe ist ein Faktor aus dem Quotienten zwischen der in der weitergehenden Abwasserbehandlung behandelten und der insgesamt anfallenden Jahresabwassermenge anzugeben, um die ggf. geringere Frachtreduktion bei Teilstrombehandlung zu berücksichtigen.
  • Können aufgrund starker Ähnlichkeiten der eingereichten Projektideen oder einer zu hohen Anzahl an Anträgen nicht alle potenziell geeigneten Projekte dieser Förderkategorie gefördert werden, erfolgt eine Bewertung anhand folgender Berechnung:

    BP = (ER1 + ER2 + ER3 + … + ERn) * fV

    fV = V4RS / Vges

    (BP: Bewertungspunkte; ER: Eliminationsraten bezogen auf die weitergehende Abwasserbehandlung; fV: Faktor Behandlungsvolumen; Vges: anfallende Jahresabwassermenge der Kläranlage; V4RS: in der weitergehenden Abwasserbehandlung behandelte Jahresabwassermenge) mit anschließendem Vergleich aller genannten Kriterien und der Erstellung einer Rangliste.

  • Berücksichtigung des Energie- und Ressourcenbedarfs im Vergleich zu etablierten Verfahren.
  • Beschreibung und Bewertung zusätzlicher Umweltrisiken des Verfahrens (z.B. Bromat, AK Abtrieb)
  • Messprogramm: Der Antrag muss einen aussagekräftigen Vorschlag für ein geeignetes Messprogramm zur Erfolgskontrolle enthalten. Das Messprogramm ist hierbei auf mindestens ein Jahr, bei zumindest monatlicher Probenahme, anzulegen und muss mindestens die Stoffe, für die mit dem Projektantrag Eliminationsraten festgelegt wurden, umfassen. Die ohnehin im Rahmen der Eigenüberwachung erfassten Abwasserparameter sind für die Auswertung mit anzugeben, um mögliche Effekte und eine Verschlechterung der Einleitwerte ausschließen bzw. begründen zu können (siehe auch Messprogramm).

Folgende weitere Kriterien können zu einer verbesserten Bewertung von Projekten im Förderschwerpunkt führen:

  • Ganzheitliche Betrachtung der verschiedenen Problemstellungen (z.B. Spurenstoffe, Antibiotikaresistenzen, Mikroplastik, Hygienisierung) in der Abwasserwirtschaft für die verfahrenstechnische Umsetzung.
  • Begleitende Untersuchung mit geeigneten bioanalytischen Testverfahren, um die eventuelle Reduktion biologischer Wirkungen erfassen zu können.
  • Sinnvolle Verknüpfungen zu anderen Förderkategorien bzw. die Nutzung von Synergien sind ausdrücklich gewünscht.
    • Insbesondere gilt dies für die Innovative Verknüpfung von Energieeinsparungen/Energieerzeugung mit der weitergehenden Abwasserbehandlung bzw. besonders energie- und ressourceneffizienten Verfahren.

 

Energie - speichern, regeln, vernetzen

Ziele der Förderung sind die

  • ganzheitliche Betrachtung mit Fokus auf Einsparung von Endenergie, flexible Energienutzung, Wärme und Kälte bzw. Integration der Kläranlage oder der Anlage zur Aufbereitung des Klärschlamms in lokale Energieversorgungskonzepte
  • Umsetzung insbesondere von Gasnutzungskonzepten auch über die Grenzen der Abwasserbehandlungsanlage hinweg, z.B. Substitution fossiler Brennstoffe sowie die
  • Verknüpfung der Energieeinsparung und Energieerzeugung mit anderen energieintensiven Verfahren (z.B. weitergehende Abwasserbehandlung, Phosphor-Rückgewinnung).

Förderkriterien:

Für die Teilnahme am Förderschwerpunkt müssen die Antragsteller, neben den allgemeinen Anforderungen des Umweltinnovationsprogramms, folgende Kriterien erfüllen und die Erfüllung (ggf. Übererfüllung) in den Antragsunterlagen nachvollziehbar erläutern:

  • Bei Projekten, die auch eine Energieeffizienzsteigerung oder -einsparungen zum Ziel haben, muss eine Energieanalyse (analog DWA Merkblatt A-216 bzw. Energiehandbuch NRW), die den aktuellen Zustand der Anlage darstellt, zum Zeitpunkt der Antragstellung vorliegen und dem Antrag beigelegt werden. Nach Abschluss dieser Projekte muss eine Energieanalyse durchgeführt werden, um den Erfolg der Maßnahmen überprüfen zu können. Diese ist im Rahmen des Messprogramms zuwendungsfähig (siehe auch Messprogramm). Alle anderen Antragsteller können eine solche Energieanalyse ihrem Antrag beifügen.
  • Bei der Betrachtung von Wärmenutzungskonzepten sind Wärmebilanzen beizufügen.
  • Aktuelle Daten zu angeschlossenen Einwohnerwerten (EW) sind dem Antrag beizufügen.

Das Hauptkriterium für die Bewertung der Anträge ist die Anzahl an kWh/EW, die durch Umsetzung der Maßnahmen im Vergleich zum Ist-Zustand eingespart, zusätzlich erzeugt oder effizient genutzt wird. Dabei ist insbesondere die Umsetzung innovativer, ganzheitlicher Konzepte anzustreben bzw. die innovative Kombination existierender Techniken.

Darüber hinaus gibt es weitere Kriterien bzgl. der Bewertung und des Vergleichs der unterschiedlichen Anträge, die durch einen Faktor dargestellt werden. Der Faktor bildet dabei die aus Sicht des Umweltbundesamtes bevorzugte Nutzung ab. Anträge, die mehrere Nutzungen vereinen, sind dabei zu bevorzugen. Im Folgenden werden zur Gewichtung der Maßnahmen Faktoren zur Bewertung festgelegt. Diese sind in der folgenden Tabelle dargestellt und erläutert. Bei Überschneidung verschiedener Kriterien z.B. „Power-to-Gas“ (Faktor 5) durch Fremdbezug von Strom (Faktor 3) wird die Nutzung mit dem höheren Faktor angerechnet.

Für Energieprojekte über die Kläranlagengrenzen hinaus: Bitte beachten Sie, dass eine Förderung im Umweltinnovationsprogramm nur dann in Frage kommt, wenn nicht gleichzeitig eine Förderung nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG)/Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erfolgt.

Weiterführende Erläuterungen

Zum Bereich Gas

Die integrative Gasnutzung bezieht sich auf die Nutzung des anfallenden Gases über die Grenzen der Kläranlage hinaus. Darunter fällt auch die Erzeugung von aufgewertetem Klärgas durch „Power-to-Gas“ Anlagen (alternativ auch „Power-to-Liquid“ Anlagen). Bei Einspeisung in vorhandene Gasnetze muss diese mit den lokalen Energieversorgungsunternehmen abgestimmt sein und durch den Nachweis einer Kooperationsvereinbarung belegt werden. Auch die Nutzung des Gases zur Substitution fossiler Treibstoffe, wie zum Beispiel durch die Betankung von Fahrzeugen, stellt eine integrative Gasnutzung dar.

Die flexible Gasnutzung bezieht auf die Nutzung des anfallenden Gases innerhalb der Grenzen der Kläranlage zur Flexibilisierung des Energiebedarfs, dazu gehört unter anderem die Gasspeicherung und somit flexible Erzeugung von Strom (unabhängig, ob interne oder externe Verwendung des Stroms). Dabei wird zwischen langfristiger (> 4 Stunden) und kurz- bzw. mittelfristiger (< 4 Stunden) Speicherung unterschieden. Dabei ist die langfristige Speichermöglichkeit zu favorisieren. Kurzfristige Speicherungsmöglichkeiten, wie z.B. Gasspeicherung im Faulturm, sind weniger stark zu bevorzugen.

Zum Bereich Wärme

Da bisher die Nutzung von Wärme auf Kläranlagen direkt mit den dort installierten KWK-Anlagen zusammenhängt, sollte darauf geachtet werden, dass kein BHKW-Strom kontraproduktiv ins Netz eingespeist wird und somit die Bestrebungen des KWKGs konterkariert. Für die Speicherung von Wärme gelten in diesem Zusammenhang die Bestimmungen des Abschnitts 5 KWKG.

Die integrative Wärmenutzung bezieht sich auf die Nutzung der anfallenden Wärme über die Grenzen der Kläranlage hinaus. Bei Einspeisung in vorhandene Wärmenetze muss diese mit den lokalen Energieversorgungsunternehmen abgestimmt sein und durch den Nachweis einer Kooperationsvereinbarung belegt werden. Gleiches gilt für die Direktabnahme durch Dritte.

Bei der flexiblen Wärmenutzung wird zwischen langfristiger (> 3 Monate) und kurz- bzw. mittelfristiger (< 3 Monate) Speicherung unterschieden. Dabei ist die langfristige Speichermöglichkeit zu favorisieren, die z.B. den in den Sommermonaten anfallenden Wärmeüberschuss speichert und zu gegebener Zeit bereitstellt.

Zum Bereich Strom

Die integrative Stromnutzung bezieht sich auf die Nutzung des anfallenden Stroms über die Grenzen der Kläranlage hinaus. Diese Lösung ist im Vergleich zu Nutzung von Gas und Wärme die weniger bevorzugte.

Der flexible Stromverbrauch bezieht sich auf die Nutzung des anfallenden Stroms innerhalb der Grenzen der Kläranlage und stellt die Anwendung von Sektorkopplungstechniken („Power-to-Gas“ und „Power-to-Liquid“) dar. Wie oben beschrieben, gilt auch hier, dass bei Überschneidung der Nutzung, der höhere Faktor eingerechnet wird. Zusätzliche Synergien können durch die Bereitstellung von positiver oder negativer Regelenergie innerhalb eines virtuellen Kraftwerks geschaffen werden (Reserve-BHKW). Dabei darf die Behandlungsleistung nicht negativ beeinflusst werden.

Maßnahmen, die zu einem erhöhten Energieverbrauch aufgrund einer gesteigerten Behandlungsleistung führen und durch die Bereitstellung oder Einsparung von Strom an anderer Stelle der Kläranlage kompensiert werden, erhalten ebenfalls eine positive Bewertung.

Substitution fossiler Brennstoffe bei Klärschlammtrocknung

Innovative Verfahren oder Kombinationen bestehender Techniken zur Substitution fossiler Brennstoffe bei der Klärschlammtrocknung können durch Treibhausgaseinsparungen die Klimabilanz einer Kläranlage verbessern und werden deshalb positiv bewertet.

Steigerung der Energieeffizienz

Die Energieeffizienzsteigerung stellt immer eine sinnvolle Maßnahme dar und ist damit grundsätzlich positiv zu werten. Projekte, die ausschließlich Energieeinsparmaßnahmen umsetzen, sollten nach Abschluss ihrem Idealwert (nach DWA Merkblatt A 216) am nächsten kommen.